Eiswein 2009
6. Februar 2010 von Markus Drautz | 2 Kommentare

Eimer mit tiefgefrorenen Eisweintrauben direkt vom Rebstock
Am 20.12.2009 wurde in der Gemarkung Riedenberg am Heilbronner Stiftsberg ca. 1000 kg vom Stock tiefgefroren geerntet. Extreme -15 Grad Celcius waren der Garant für 270 Grad Oechsle bzw. einem Zuckergehalt von ca. 60% im Saft. Der Pressvorgang dauerte einem ganzen Tag und es konnten lediglich 50 Liter dieses “Salatöl-artigen” Saftes gewonnen werden. Danach beginnt erst die schwierige Arbeit des Kellermeisters. Wie bekommt man solch einen Saft zu gären. Der Saft enthält dreimal soviel Zucker wie ein normaler Most im Spätlese Bereich und das ist eine sehr schwierige Umgebung für die Weinhefe. Mehr dazu im kommenden Eintrag…
Eiswein 2009,








1. Daniel Horn
Kommentar vom 6. Februar 2010 um 17:27
Super Thema! Ich bin schon sehr gespannt mehr über die Herstellung von Eiswein und das daraus Entstehende Produkt zu lesen. Markus, halt’ uns auf dem Laufenden…
2. Arno Mehmel
Kommentar vom 19. März 2010 um 20:35
Eiswein
Eiswein ist durchaus keine moderne Erfindung, obschon er (vermeintlich) erst seit relativ kurzer Zeit große Popularität genießt. Schon die Römer schätzten Eiswein, bevor er in Vergessenheit geriet.
Martial, der lateinische Dichter (40 bis 103 n.Chr.), berichtete von Winzern, “die im November Trauben froststarrend” einbrachten.
Und etwa in der gleichen Zeit schrieb Plinius über gewisse Traubensorten: “Sie werden nicht eher gelesen, als bis es gefroren hat.”
Später schien diese Art der Weinlese in Vergessenheit geraten zu sein.
(Dafür kamen Winzer auf andere Ideen, ließen zum Beispiel den WEIN gefrieren).
Die Gewinnung des Eisweins wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts irgendwo in Frankreich wieder entdeckt. Der vermutlich allererste Eiswein Deutschlands wurde am 11. Februar 1830 von Trauben des Jahrgangs 1829 in Dromersheim bei Bingen gelesen. In jenem Winter herrschte extreme Kälte, die zu vielen Entbehrungen führten. So verfielen einige Bewohner auf die Idee, Trauben hängen zu lassen, um die Tiere zu füttern. Als festgestellt wurde, dass die Trauben sehr süßen Saft enthielten, wurden sie gekeltert – das Ergebnis war angeblich sehr zufrieden stellend. Generell war Eiswein aber zunächst mehr ein Zufallsprodukt, und im 19. Jahrhundert entsprechend rar: Lediglich in 5 von 100 Jahren – 1846, 1858, 1875, 1880 und 1890 – soll die gezielte Eisweinproduktion möglich gewesen sein.
Seit 1950 hat sich das Blatt gewendet, und mehr und mehr Winzer haben die Attraktivität des Eisweins erkannt. Einige haben sich zu echten Spezialisten gemausert und lassen nicht mehr einfach den Zufall walten, sondern wissen perfekt zu spekulieren. Das lohnt sich, nicht nur weil Eiswein eine besondere Delikatesse ist, sondern weil solche Weine oft auch allerhöchste Preise erzielen.